Telegrafenmarken

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Verwendung auf Telegramm
Verwendung auf Telegramm


Telegrafenmarken wurden zwischen 1868 und dem 1.10.1886 zur Deckung der Telegrammgeb├╝hren verwendet.

Als im Jahr 1867 die Herabsetzung der Telegrafengeb├╝hr im Innern der Schweiz diskutiert wurde, suchte man, um die finanzielle Lage der Telegraphenverwaltung nicht zu gef├Ąhrden, M├Âglichkeiten die Selbstkoste f├╝r das Telegramm zu reduzieren und Vereinfachungen und Sparma├čnahmen durchzuf├╝hren, die mit einem guten Dienstablauf vereinbar waren.

Eine dieser Dienstvereinfachungen und zugleich eine Annehmlichkeit des Publikums war die Einf├╝hrung von besonderen Marken f├╝r die Frankierung der Telegramme. Auf diese Weise brauchte das Publikum nicht mehr jedes Telegramm einzeln am Schalter zu bezahlen; die fortw├Ąhrend kleinen Auslagen wurden vermieden und zugleich die ├ťbermittlung der Telegramme an das Bureau durch Boten oder durch die Post erleichtert. Dadurch, dass die detaillierte Rechnungsf├╝hrung f├╝r jedes Telegramm durch den einfachen Verkauf der Telegraphenmarken ersetzt wurde, entlastete man die Verwaltung.

Auf Antrag des Postdepartement wurde deshalb mit Bundesratsbeschluss vom 27.2 1867 die Frankierung der Telegramme mittels besonderer Telegraphenmarken genehmigt und das Postdepartement beauftragt, die Telegraphenmarken herstellen zu lassen, die verschiedenen Wertstufen festzusetzen und das Datum ihrer Herausgabe an das Publikum zu bestimmen.

Die Lieferung der Marken wurde von der Telegraphenverwaltung zuerst Herrn Alb. Escher, M├╝nzdirektor in Bern, welcher auch die Postmarken auf eigene Rechnung herstellte, und sp├Ąter der von ihm gegr├╝ndeten ÔÇ×mechanischen Brief-Couverts-und-Marken-FabrikÔÇť in Bern ├╝bertragen.

Die Zeichnung zu den Telegraphenmarken wurde von der Telegraphendirektion selbst entworfen. Den Originalstempel und die Gebrauchsstempel lie├č Herr Escher herstellen. Die Telegraphenmarken wurden nach dem auch bei den damaligen Freimarken gebr├Ąuchlichen Verfahren des Farben-Reliefdrucks hergestellt, mit dem Unterschied, dass f├╝r die ersteren, weil zweifarbig, das Doppeldruck-Verfahren gew├Ąhlt werden musste. Die Telegraphenmarken haben die Form eines Hochrechtecks von genau gleichen Dimensionen wie die Briefmarken, mit Z├Ąhnung 11┬Ż:11┬Ż und sind auf Papier mit trocken eingepresstem Kontrollzeichen gedruckt. Die Zeichnung ist f├╝r alle Wertstufen gleich und zeigt als Mittelst├╝ck das wei├če Kreuz im roten, damaszierten Feld in verschiedenfarbiger Einfassung mit der Umschrift TELEGRAPHIE. Ein kleines, ovales Schildchen an der Basis des roten Wappenfeldes tr├Ągt die Wertangabe und die abgek├╝rzte M├╝nzbezeichnung.

1. Ausgabe (1.1.1868)[Bearbeiten]


Ausgabe 1868
├ťbersicht ├╝ber die Taxen mit den europ├Ąischen L├Ąndern am 1. Januar 1868

Bei der Einf├╝hrung der Telegraphenmarken gab es keinen Worttarif sondern ein sogennanten Gruppentarif. Die Minimalgeb├╝hr bezog sich auf 20 Worte, f├╝r jede 10 Worte mehr erh├Âhte sich die Taxe um die H├Ąlfte der Grundgeb├╝hr.


Aus dem nebenstehenden Tarif ist ersichtlich, dass es keine Frankenbruchteiel unter 25 Rp gab. So wurden am 1. Januar 1868 dementsprechend nur Marken zu 25 Rp., 50Rp., 1 Fr. und 3 fr. ausgegeben, da mit ihnen alle Geb├╝hrenm├Âglichkeiten abgedeckt waren.

2. Ausgabe (1.1.1869)[Bearbeiten]


Ausgabe 1869

Das Bed├╝rfnis nach einer h├Âheren Wertstufe zur Deckung der Geb├╝hren f├╝r au├čereurop├Ąische Telegramme f├╝hrte dazu, dass mit Bundesratsbeschluss vom 25.11.1868 das Postdepartement erm├Ąchtigt wurde eine neue Telegraphenmarke mit der Wertstufe 20 Fr. heraus zugegeben. Dieser Wert kommt mit roten oder rosa Wappen nicht vor. Dies k├Ânnte darauf zur├╝ck zu f├╝hren sein, dass die Vorr├Ąte an Marken mit karminrotem Wappen bis zur Einf├╝hrung des Faserpapiers ausreichten, oder dass der Lieferant trotz dem Wechsel der Farbe 1877 die haltbare karminrote zum Druck des H├Âchstwertes weiterverwendete.

3. Ausgabe (1874)[Bearbeiten]


Ausgabe 1874

Das zur Erschwerung von F├Ąlschungen gew├Ąhlte Druckverfahren (Anwendung von Metallstaub statt Farbendruck) f├╝r den urspr├╝nglichen H├Âchstwert von 3 Fr., erscheint keine befriedigende Ergebnisse im Bezug auf die Abstempelung ergeben zu haben, denn am 5.Oktober 1874 wurden die Telegraphenbureaus davon in Kenntnis gesetzt, dass die Bronze durch eine gew├Âhnliche braune Farbe ersetzt werde. Dies wurde damit begr├╝ndet, dass auf den bronzierten Marken keine deutliche, sofort erkennbare Abstempelung erzielt werden konnte.

4. Ausgabe (1877)[Bearbeiten]


Ausgabe 1877

Am 1. Januar 1877 trat ein auf dem Worttarifsystem basierender telegraphenvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland in Kraft. Die Geb├╝hr bestand nach diesem Vertrag f├╝r die die zwischen der Schweiz und Deutschland ausgewechselte Telegramme aus einer Grundtaxe von 40 Pf. (50 Cts.) und eine Worttaxe von 5 Pf. (6┬Ż Cts.) und betrug demnach:

f├╝r ein Telegramm von 2 Worten 65 Cts.
f├╝r ein Telegramm von 3 Worten 70 Cts.
f├╝r ein Telegramm von 4 Worten 75 Cts.
f├╝r ein Telegramm von 5 Worten 85 Cts.
f├╝r ein Telegramm von 6 Worten 95 Cts.
usw., unter Aufrundung der Taxe auf 5 Rp.

Dieser Tarif machte die Ausgabe von zwei neuen Werten zu 5 und 10 Rp. Notwendig. Bei der Bewilligung der Herausgabe wurde auch eine Farb├Ąnderung des Wappens vorgenommen. An Stelle der guten sehr haltbaren karminroten Farbe gelangte eine fl├╝chtige, rote Farbe zur Verwendung, welche z.B. unter Einfluss der Sonnenstrahlung vollst├Ąndig verblasste. Der Grund dieser Farb├Ąnderung l├Ąsst sich aus den zust├Ąndigen Akten nicht entnehmen.

5. Ausgabe (1881)[Bearbeiten]


Ausgabe 1881

Auch f├╝r die Telegraphenmarken gelangte ab 1881 das Faserpapier zu Anwendung. Das Wappen ist meistens blassrosa, bei den letzten Auflagen aber ausgesprochen rot. Nach Abschaffung der Telegraphenmarken beliefen sich die Restbest├Ąnde noch auf:

625565 St├╝ck zu 5 Cts.
754078 St├╝ck zu 10 Cts.
305029 St├╝ck zu 25 Cts.
855127 St├╝ck zu 50 Cts.
117187 St├╝ck zu 1 Fr.
313763 St├╝ck zu 3 Fr.
95224 St├╝ck zu 20 Fr.

Dieser Restbestand wurde im Jahre 1887 en bloc f├╝r 2225 Fr. (Wert der Herstellungskosten) verkauft. Da die Einf├╝hrung der Telegraphenmarken weder eine Dienstvereinfachung f├╝r die Verwaltung brachte noch einen gro├čen Anklang beim Publikum gefunden hatte, wurde in der Bundesratssitzung vom 5. Februar 1886 beschlossen, den Verkauf von Telegraphenmarken zum 1.Oktober 1886 einzustellen. Bis einschlie├člich 31.12 1886 konnten die Telegraphenmarken noch gegen Bargeld eingetauscht werden.

1952 Gedenkblatt[Bearbeiten]


1952 wurde ein Gedenkblatt zum hundertj├Ąhrigen Jubil├Ąum des elektrischen Nachrichtenwesens in der Schweiz herausgegeben.

Stempel[Bearbeiten]


Auf den Telegrafenmarken kommen folgende Abstempelungen vor:

  • Telegraphenabstempelungen
Die eigentlichen Telegraphenstempel sind Achteckstempel.
Von den Landbureaus wurden Messingstempel ohne Datum mit einer Umschrift (Bureau-Namen+TELEGR.) verwendet. Dabei kann man zwei Gr├Â├čen unterscheiden, die ├Ąlteren haben eine Seitenl├Ąnge von 8mm und die neueren eine von 9mm.Die Stempel enthalten das in der Mitte das eidgen├Âssische Kreuz auf wei├čem Grund. Stempel mit schraffiertem Grund bestanden in der Verwendungszeit der Telegraphenmarken noch nicht.
Die Hauptbureaus verwendeten kleine Datumstempel aus Messing mit gleicher Schriftanordnung wie die der Landbureaus. An Stelle des eidgen├Âssischen Kreuzes besitzen sie aber eine dreizeilige Datumsangabe. Ab 1871 wurden diese durch Stahlstempel mit beweglichen R├Ądern ersetzt. Auf ihnen findet man die ausgeschriebene Bezeichnung TELEGRAPHENBUREAU (BUREAU DES TELEGRAPHES, UFFICIO DEI TELEGRAFI oder UFFICIO TELEGRAFICO). Bis auf das Telegraphenbureau Z├╝rich wurden Stempel mit der Bezeichnung TELEGRAPH noch nicht benutzt.
Vom Telegraphenbureau Winterthur wurde aufgrund des gro├čen ├╝berseeischen Verkehrs ein Rollenstempel verwendet, der den Abdruck von zwei 6mm voneinander entfernt, parallel verlaufenden Linien von 1mm Dicke ergab.
Eine zus├Ątzliche zweite Entwertung durch Federzug oder einer aus punkten bestehenden Raute waren vorgeschrieben. Diese fand nur vereinzelt statt und ist ab 187, vermutlich aufgrund des Zeitaufwandes und der Nutzlosigkeit, gar nicht mehr anzutreffen.
  • Telephonabstempelungen
Mit Einf├╝hrung des Telefons 1881 wurden in kleineren Orten mit schwachem verkehr sogenannte Telefonstationen errichtet, die auch den Telegrafendienst auf telefonischem Wege besorgten. Sie erhielten runde Messingstempel, ohne Datum, mit eidgen├Âssischem Kreuz auf unschraffierten Grund. Das Wort TELEGR. ist durch TELEPHON, T├ëL├ëPHONE oder TELEFONO ersetzt. Da die zwischen 1881 und 1886 errichteten Telefonstationen mit Telegrafendienst nur 70 Stationen betrug, sind diese Telegrafenabstempelungen sehr selten. Abstempelungen auf telefonisch aufgegebenen Telegrammen von gr├Â├čeren Telefonzentralen d├╝rften jedoch noch seltener sein.
  • Postabstempelungen
Die Schweizer Post und Telegraph hatten zwar getrennte Verwaltungen, jedoch wurden kleinere Telegraphenbureaus und Telefonstationenmit den vohandenen Poststellen zusammengelegt. Von der Abgabe von Telegrafenstempel an diese Bureaus wurde nach und nach abgesehen und die Poststempel aus 1868-1886 auch f├╝r den Telegrafendienst benutzt.
  • Eisenbahnabstempelungen
Eisenbahnbureaus, denen auch die Besorgung des ├Âffentlichen Telegrafendienstes ├╝bertragen wurde, erhielten keine besonderen Telegrafenstempel, sondern benutzten irgendeinen verf├╝gbaren Bahnpoststempel.

Entw├╝rfe und Probedrucke[Bearbeiten]


Nach dem Beschluss zur Herausgabe von Telegraphenmarken, lies die Telegraphendirektion von einem ihrer Beamten einige Entw├╝rfe anzufertigen. Die Entw├╝rfe sind im Nachlass von Albert Escher gefunden worden. Es handelt sich um zwei sechseckige Bleistiftzeichnungen(), ├Ąhnlich den damaligen belgischen Telegraphenmarken, und um eine in blau und rot gehaltene Tintenzeichnung (). Die letztere wurde von Herrn Escher f├╝r die Ausf├╝hrung der Marken gew├Ąhlt. Der Graveur des Urstempels ist unbekannt, kann jedoch vermutlich in der M├╝nze gesucht werden. Die Telegraphenmarken wurden mit messingenen, duch Pr├Ągung erzeugten Druckst├Âcken gedruckt. Dies bedeutet, dass vom Entwurf bis zum Druckstock f├╝r Umrahmung und Wappen ben├Âtigt wurden: Ein Originalstempel aus Stahl, negativ gestochen; eine Matrize durch Absenkung auf dem Pr├Ągestock geschaffen. Mit der geh├Ąrteten Matrize werden durch absenken patrizen geschaffen, auf welchen die Wertziffer eingestochen wird. Ben├Âtigt wurden sieben patrizen (f├╝r jeden Wert eine) und eine einzige f├╝r das Wappen. Aus den patrizen erh├Ąlt man wiederum durch Absenken, die f├╝r den Druck bestimmten Gebrauchsstempel aus Messing. Verzeichnis der bekannten Probedrucke:

  • Proben der Urstempel
Schwarz, nur Umrahmung
Braun, Wappen karmin
Blau, Wappen karmin
Karmin, Wappen blau
  • Proben der Druckst├Âcke(ungez├Ąhnt)
Wappen alein, karmin oder blau
50 Cts. Blau, nur Umrahmung
1 Fr. blau, nur Umrahmung
25 Cts blau, Wappen karmin
50Cts. orange, Wappen karmin
50Cts. braun, Wappen karmin
1 Fr. karmin, Wappen golden
1 Fr. braun, Wappen karmin
1 Fr. orange, Wappen karmin
  • Farbproben (gez├Ąhnt)
50Cts. grau und karmin
50Cts. blau und karmin
50Cts. gr├╝n und karmin
50Cts. golden und karmin
1 Fr. grau und karmin
1 Fr. blau und karmin
1 Fr. braun und karmin
1 Fr. schwarz und karmin
20 Fr. rosa und karmin
20 Fr. rosa und karmin, ungez├Ąhnt, auf Papier mit Kontrollzeichen

Die meisten in Sammlungen oder im Handel anzutreffenden Essais sind keine eigentlichen Essais, sondern Ausschnitte aus Zurichtebogen auf gew├Âhnlichem Papier. Die Essais stammen aus dem Jahre 1867 und haben die Farben der ersten Auflage der Telegraphenmarken (Wappen karmin). Die Ausschnitte aus den Zurichteb├Âgen besitzen die Farbe der Letzten Jahre der Telegraphenmarken, haben ein rosa oder rotes Wappen und stammen von abgestumpften Gebrauchsstempeln (vor allem erkenntlich in den Ecken).

Besonderheiten[Bearbeiten]

Verbotene Frankaturen
Telegrafenmarken als Portomarke
Seltene und verbotene Verwendung einer Telegrafenmarke auf Bedarfsbrief von 1885
Seltene und verbotene Verwendung einer Telegrafenmarke auf Bedarfsbrief von 1885
Seltene und verbotene Verwendung einer Telegrafenmarke auf Bedarfsbrief von 1886 in Kombination mit einer Ziffermarke Faserpapier, ins benachbarte Ausland


Quellen[Bearbeiten]

Zumstein: Die Briefmarken der Schweiz, 1924, S.393-401


Sammlungen[Bearbeiten]

Die Grossgoldsammlung (Stans 2012) "Die Einf├╝hrung des elektrischen Telegraphen in der Schweiz (1852-1886)" von Kurt Kimmel> [1]